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Neubau für die Rosa Luxemburg Stiftung

Bürogebäude
Berlin, 2016

Ausgangslage
Die Grundstücksgesellschaft Straße der Pariser Kommune 8 beabsichtigt den Neubau eines multifunktionalen Büro- und Verwaltungsgebäudes für die Rosa-Luxemburg-Stiftung e.V. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist eine der sechs parteinahen politischen Stiftungen in der Bundesrepublik Deutschland. Vorrangige Aufgabe der Stiftung ist die politische Bildung. Sie steht der Partei DIE LINKE nahe.

Sie steht für emanzipatorische Bildung, kritische Gesellschaftsanalyse sowie die internationale Vernetzung von sozialen Bewegungen und die Förderung eines gesellschaftlich engagierten akademischen Nachwuchses. Sie unterstützt das dringend notwendige Nachdenken über gesellschaftliche Alternativen und Perspektiven einer gerechteren Welt.

Das Grundstück für den Neubau liegt an der Straße der Pariser Kommune im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Ortsteil Friedrichshain auf dem Gelände des heute als Veranstaltungsort genutzten ehemaligen Postbahnhofs.

Auf dem Areal ist ein neues Stadtquartier mit Bauten für Büros, kreative Unternehmen, Wohnungen, Hotels, Freizeit, Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungen geplant. Im Neubau der Rosa-Luxemburg-Stiftung sollen Büro- und Verwaltungsräume für ca. 155 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstehen. Hinzu kommt ein Öffentlichkeitsbereich mit Räumen für Veranstaltungen, Ausstellungen etc., einer Bibliothek und einem Archiv.
Aus einem vorhergegangenen, 2. Phasig offenen Realisierungswettbewerb ist die ARGE Kim Nalleweg Trujillo Architekten mit dem 1. Platz hervorgegangen und nach einem anschließenden VOF-Verfahren zunächst für die Leistungsphasen 2-4 als Generalplaner beauftragt worden.

Architektonisches Konzept
Das neue Gebäude der Rosa-Luxemburg-Stiftung steht selbstbewusst am neuen Platz vor dem Postbahnhof. Mit dem Sockel sollen Bezüge zu dem umliegenden, heterogenen Stadtraum hergestellt werden, und das Gebäude doch auch als eigenständiges Objekt und Sonderbau lesbar machen. Die Anordnung der Bürogeschosse rechtwinkelig zu den Gleisen maximiert die Präsenz im direkten Umfeld und auch für vorbeifahrende Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel.
Der öffentliche Bereich für Besucher befindet sich in den ersten drei Geschossen.

Eine Dachterrasse, im Wettbewerb als „kollektive Plattform“ bezeichnet, schafft im ersten Obergeschoss einen Außenraum über der platzebene für öffentliche Zusammenkünfte, Aktivitäten der Stiftung und auch einen Erholungsbereich für die Mitarbeiter. Durch die Plattform auf Ebene der S-Bahntrasse hat das Gebäude auch Strahlkraft in den weiteren Stadtraum hinaus. Hier befinden sich die Räume für Sonderveranstaltungen. Ein geschosshoher Fachwerkträger
mit sich kreuzenden Stützen markiert als umlaufendes Band diesen besonderen Ort im Gebäude und ermöglicht die stützenfreie Nutzung im Veranstaltungsbereich darunter. Das Haus des Lehrers am Alexanderplatz, Bilder industrieller, alltäglicher Architektur, aber auch freie Assoziationen zu dem Buchstaben X im Namen Rosa Luxemburgs wurden von den Architekten im Entwurfsprozess diskutiert. Außen- und Innenraum gehen hier fließend ineinander über.

Die Gliederung des Baukörpers in einen öffentlichen Sockel und einen funktionalen Arbeitsbereich in den Obergeschossen mit der Schnittstelle von Dachterrasse und Sonderveranstaltungsbereich sind prägendes Merkmal des neuen Stiftungsgebäudes. Backsteinbrüstungen laufen um das Gebäude herum und spielen mit Bezügen zur Moderne – verweisen zugleich auch auf die Bedeutung des Backsteins als einfachstes, weltweit Anwendung findendes Material, welches durch seinen mal wilden, mal s trengen Zusammenhalt im Verband Kraft und Dauerhaftigkeit gewinnt.

Erschließung und Funktionen
Eingang, Foyer und Veranstaltungsbereich
Der Besucher wird von einem großzügigen Foyer empfangen. Im Zentrum der neuen Stiftung liegen der große Veranstaltungssaal und die kleineren Seminarräume. Die Veranstaltungsbereiche sind von der Straße aus einsehbar, jedoch gleichzeitig geschützt. Sie sind umgeben von einem umlaufenden Foyer, das den notwendigen Pufferraum zum öffentlichen Straßenraum schafft und die parallele Benutzung gewährleistet. So muss der Veranstaltungsbereich nicht von „der Straße weg“ in die oberen Etagen verlegt werden.

Hier ist Raum für verschiedenste Veranstaltungen. Im nördlichen Bereich befinden sich die notwendigen Funktionsräume, wie z.B. Müllraum und Cateringlager. Über eine großzügige Treppe und die beiden Aufzüge können Besucher von hier das Untergeschoss mit der großen WC-Anlage, sowie das erste Obergeschoss mit Bibliothek, Archiv, Veranstaltungsbereich und Dachterrasse erreichen.

Bibliothek, Archiv, Veranstaltung und Dachterrasse
Im ersten Obergeschoss ist Bibliothek und Archiv der Stiftung mit dem zentral angeordneten Freihand- und Lesebereich angeordnet. Zwei kleinere Seminarräume befinden sich in den flankierenden Räumen im Norden und Süden.

Arbeitsplätze
Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sind in allen darauffolgenden Geschossen angeordnet. Vom zweiten bis zum achten Obergeschoss ist eine gleichbleibende Grundstruktur aus Erschließungskernen, technischen Versorgungsschächten und Technikräumen, sowie Teeküchen und WCs entwickelt worden, in denen sich die Bereichsstrukturen der Stiftung in verschiedenen Bürogrößen abbilden lassen. Zwei zusätzliche Teamflächen als Besprechungsräume für Kleingruppen sind auf jeder Büroetage angeordnet. Flexible Fassadenanschlüsse und ein Ausbauraster von 1,25m ermöglichen verschiedene Büronutzungen. Zellenbüros, Kombibüros bis hin zu Gruppenbüros oder sogar auch „open space“ Lösungen bis 100m2 sind möglich.

Stand

im Bau

Ort

Berlin, Deutschland

Jahr

2016-

Architekten

Max Nalleweg, Kyung-Ae Kim and César Trujillo Moya

Client

Rosa Luxemburg Foundation

Bruttofläche

6000m²

Photo

Philipp Obbkircher